Santi Umberti                             


Darmstadt, 22.05.2009

Städte und Gemeinden im globalen Wettbewerb
SPD-Rechtspolitiker- und Selbständige begehen traditionellen Verfassungstag

 

„Justiz, öffentliche Daseinsvorsorge und Wirtschaft im Spannungsfeld des europäischen Marktes“ lautete das Thema des traditionellen Verfassungstags, zu dem in diesem Jahr die Arbeitsgemeinschaften sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen (AsJ) sowie die Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen (AGS) aus Darmstadt und Hessen-Süd am Freitag, dem 15. Mai 2009 in die Bessunger Comedy Hall eingeladen hatten.
An dem Verfassungstag soll in jedem Jahr an das Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23.5.1949 erinnern , wegen der bevorstehenden Wahl zum Europäischen Parlament standen diesmal wichtige staats- und europarechtliche Fragen im Vordergrund; feierliche Veranstaltungen zum Jubiläum des Grundgesetzes werden demnächst folgen. Die Vorsitzende der AsJ Darmstadt Sabine Heilmann und der stellvertretende Vorsitzende der AsJ Hessen-Süd Matthias Metzner begrüßten die Anwesenden, führten in das Thema des Abends ein und stellten die Referenten der Veranstaltung vor. Gäste des Verfassungsgesprächs waren Walter Hoffmann, Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Wolfgang Schäfer, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Frankfurt am Main und Manfred Schmidt, Unternehmer und stellvertretender Bundesvorsitzender der AGS. Für den erkrankten SPD-Europa- Abgeordneten Udo Bullmann, beteiligte sich Santi Umberti, Regionalmanager und Europakandidat, der die Veranstaltung auch moderierte, an der Podiumsdiskussion.

Wolfgang Schäfer begann mit seinem Vortrag „Die Europäisierung des kommunalen Wirtschafts- und Vergaberechts als Herausforderung für die Verwaltungsgerichte“. Schäfer vertrat den Standpunkt, dass der Begriff des kommunalen Wirtschaftsrechts heute nur noch in Klammern gesetzt werden könne und gab einen Überblick vom rechtlichen Einfluss der Europäischen Union von ihrer Gründung als Montanunion bis zum heutigen Tage. 80 Prozent aller Normen in Bereich des Wirtschaftsrechts, so Schäfer, stammten auch in Deutschland mittlerweile aus dem EU-Recht. Entweder als Verordnungen, die in jedem Mitgliedstaat unmittelbare gesetzliche Geltung haben oder als Richtlinien, die als Auftrag zur legislativen Umsetzung an die Mitgliedstaaten gerichtet seien. Autonom sei de facto nur noch das Verfahrens- und Prozessrecht in den einzelnen Mitgliedstaaten.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann wies zu Beginn seines Referats darauf hin, dass noch vor einem Jahr die paradoxe Auffassung bestand, dass die Kommunen sich dafür rechtfertigen mussten, Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge wahrzunehmen. Der Zeitgeist habe gut fünfzehn Jahre die Auffassung vertreten, auch diese Aufgaben könnten privatisiert werden, weil Private diese Aufgaben vermeintlich besser erfüllen könnten als Städte und Gemeinden. Alles rufe mittlerweile nach dem Staat und der Rekommunalisierung, privatisierte Aufgaben werden in die öffentliche Hand zurückgeführt. Hoffmann kritisierte das europäische Vergaberecht insoweit als verfehlt, als dass weit entfernte Unternehmen den kommunalen Aufgaben mangels Orts- und Sachkenntnis gar nicht gerecht werden könnten. Bereits zwei Drittel der EU-Regeln beträfen kommunales Handeln. Für die bevorstehende Europawahl gelte es daher die sozialdemokratische Position deutlich zu machen, welche die kommunale Ebene in Ihrer Eigenständigkeit und Selbstständigkeit unterstützt.

Manfred Schmidt referierte anschließend über die Standortsicherung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im europäischen Wettbewerb. Schmidt schilderte, dass deren Auftragslage um 48 Prozent zurückgegangen sei und von einem Minuswachstum von 0,5 Prozent ausgegangen werden müsse. Kritisiert wurde hemmende Bürokratie Begrüßt wurde hingegen, dass nach der Dienstleistungsrichtlinie nunmehr der gesetzliche Mindestlohn in dem Mitgliedsland gezahlt werden müsse, in dem die Dienstleistung erbracht werde. Bei der Festschreibung eines gesetzlichen Mindestlohns sei Deutschland allerdings nach wie vor im Verzug. Kleine und mittlere Unternehmen müssten am Standort Hand in Hand mit den Kommunen arbeiten, was aber nur funktioniere, wenn der Kommune auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung ständen.

Abschließend wies Santi Umberti darauf hin, dass das sozialdemokratische Europa-Manifest ein gutes Programm sei, da Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik sowie Sozialpolitik miteinander verzahnt seien. Mit dem Lissabon-Vertrag seien erstmals in der Europäischen Union Grundrechte festgeschrieben, deshalb sei es um so wichtiger, dass er in Kraft trete. Es könne im Übrigen auch nicht sein, dass wie aktuell zahlreiche italienische Unternehmen massivst ihre Standorte nach Rumänien verlegten.

Nach den Referaten bestand noch die Möglichkeit zur Diskussion, die zahlreichen Teilnehmern rege genutzt wurde. In Ihrem Schlusswort merkte die rechtspolitische Sprecherin der SPD im Hessischen Landtag, Heike Hofmann, an, dass es ihr kaum gelänge, die Vielfalt der in der Veranstaltung beleuchteten Aspekte zusammen zu fassen. Oft werde die Bedeutung der Europawahl unterschätzt. Deshalb wurde an alle Teilnehmer appelliert, Geschäftspartner, Freunde, Verwandte auf diese Bedeutung hinzuweisen und sich rege an der Europawahl am 7. Juni 2009 zu beteiligen.